Wirkung eines TENS-Gerätes: Wirkweise und Studienlage zur Wirksamkeit

Elektrische Impulse über die Haut zur Schmerzreduzierung

Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ist eine anerkannte, naturheilkundliche Methode zur Schmerzbehandlung.

Dabei werden Elektroden auf der Haut platziert, über welche elektrische Impulse an die Hautoberfläche (transkutan) abgegeben werden. Über diese Elektrostimulation werden bestimmte Nervenbahnen gereizt und körpereigene Systeme auf eine Art beeinflusst, die zu einer akuten oder dauerhaften Schmerzlinderung führen kann.

Die Reizstromtherapie erfolgt mit individuell auf Schmerzart und Patient angepassten Parametern. Hierbei sind vornehmlich Frequenz, Intensität und Pulsbreite einstellbar, aber auch die Pulsart. Über unterschiedlich angepasste Parameter werden unterschiedliche Systeme im Körper angesprochen und verschiedene Effekte erzielt.

Studienlage und Evidenz

Die Wirksamkeit von TENS wird kontrovers diskutiert. Es gibt Studien, die eine schmerzreduzierende Wirkung von TENS-Anwendungen nahelegen, bei anderen Studien konnten keine stärkeren Effekte gegenüber einer Placebo-Behandlung nachgewiesen werden.

Studien, die mit bildgebenden Verfahren, wie fMRT arbeiteten, konnten Effekte in Arealen des Gehirns, welche für Schmerzwahrnehmung zuständig sind, nachweisen.

Die Evidenz ist für viele Schmerzarten unterschiedlich. Bisherige Studien und Meta-Analysen bezogen sich meist auf spezielle Schmerzarten, sind von unterschiedlicher Qualität und haben häufig Schwächen:

  • Nicht spezifizierte Stimulationsparameter

  • Stimulus-Variablen wurden während dem Prozess nicht kontrolliert

  • Unterschiedliche Arten der Ergebnismessung

  • Unterschiedliche Elektroden-Platzierungen

  • Mangelnde Placebo-Kontrolle

  • Patienten in unterschiedlichen Stadien des Krankheitsprozesses

  • Keine Überwachung und Dokumentation der Mitarbeit der Patienten

Insgesamt ist die Evidenz für die Wirksamkeit von TENS nach Schmerzart unterschiedlich. Z.T. konnte Wirksamkeit mit relativer Sicherheit nachgewiesen werden, in anderen Bereichen ist die Wirksamkeit von TENS unklar. Die Evidenz ist insgesamt für eine abschließende Beurteilung nicht ausreichend.

Blockade der Schmerzweiterleitung an das Gehirn mittels Hi-TENS

Die Wirkweise von TENS mittels hemmender Mechanismen der Schmerzübertragung durch Reizung affarenter und absteigender Nervenbahnen wird vor Allem der Anwendung von Hi-TENS (High frequency, low intensity) zugeschrieben.

Unter Hi-TENS versteht man die Anwendung von TENS mit hohen Frequenzen zwischen 40 und 150 Hz, einer niedrigen Intensität und einer kurzen Pulsbreite von 10 bis 150 µs.

Diese Art von TENS ist die konventionelle Anwendungsmethode. Es werden keine Muskelkontraktionen verursacht, es findet lediglich eine sensorische Reizung statt.

Der Wirkmechanismus wird über die Gate-Control-Theory (Kontrollschrankentheorie) erklärt. Diese Theorie geht davon aus, dass innere und äußere Schmerzreize über Schmerzrezeptoren aufgenommen und an das Rückenmark weitergeleitet werden, wo eine Verschaltung auf bestimmte Nervenbahnen erfolgt.

Die Übertragung des Schmerzreizes an das Gehirn kann an dieser Stelle durch bestimmte Mechanismen über periphere als auch über absteigende Nervenbahnen aus dem Gehirn gehemmt werden. Der Organismus verfügt über ein körpereigenes Schmerzhemmsystem, dass situationsangepasst spezifisch aktiv wird.

Man geht davon aus, dass TENS bestimmte affarente A-Nervenfasern reizt, welche die Schmerzweiterleitung an das Gehirn hemmen. Außerdem sollen absteigende hemmende Nervenbahnen angeregt sowie eine erhöhte Endorphinausschüttung angestoßen werden, was sich ebenfalls mindernd auf die Schmerzwahrnehmung auswirkt.

Die Anwendung von Hi-TENS entfaltet seine Wirkung sofort und wirkt lediglich während der Behandlung, die jedoch stundenlang andauern kann.

Auswirkungen auf das endogene Opioidsystem mittels Low- und Burst-TENS

Die Anwendung von TENS kann sich auch auf das endogene Opioidsystem auswirken. Diese Art der Wirkweise wird vor Allem der Anwendung von Low-TENS (Low frequency, high intensity) zugeschrieben.

Hierbei werden Einzelimpulse mit einer Frequenz von 2 bis 4 Hz mit einer hohen Intensität, welche zu Muskelkontraktionen führt, und einer Pulsbreite von 200 bis 400 µs angewendet.

Eine Variante des Low-TENS mit ähnlicher Wirkweise ist das Burst-TENS. Hierbei werden die Muskelkontraktionen durch Impulssalven ausgelöst. Diese Methode wurde entwickelt, da die Einzelimpulse bei Low-TENS von Patienten als unangenehm empfunden wurden. Burst-TENS wird von vielen eher akzeptiert.

In Studien wurde nachgewiesen, dass durch eine Verabreichung von Naloxon, einem Opioid-Antagonisten, die schmerzlindernde Wirkung einer Low-TENS-Anwendung aufgehoben wurde, während die Zufuhr von Naloxon bei der Anwendung von Hi-TENS keine Auswirkungen hatte.

Hierbei wird eine Beteiligung von vornehmlich Beta-Endorphin angenommen, welches an den Opioid-Rezeptoren arbeitet und dort eine schmerzhemmende Wirkung auslöst.

Weitere Untersuchen ergaben, dass vermutlich sowohl bei Hi- als auch bei Low-TENS-Anwendung Auswirkungen auf das endogene Opioid-System entstehen, wobei vermutlich verschiedene Opioide beteiligt sind und unterschiedliche Frequenzen und Intensitäten die Ausschüttung diverser Opioide verursachen.

Der Anwendung von Low- und Burst-TENS wird eine später einsetzende Wirkung während der Behandlung (nach ca. 20 Minuten) zugeschrieben, wobei die Behandlung mindestens 30, aber nicht länger als 45 Minuten dauern sollte. Die schmerzlindernde Wirkung von Low-TENS kann noch Stunden bis Tage nach der Behandlung anhalten.

Fazit - Wirksamkeit von TENS unterschiedlich

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit der TENS-Methode verschiedene Mechanismen zur Schmerzreduktion angestoßen werden können.

In erster Linie betrifft es die Reizung von hemmenden, affarenten Nervenbahnen über das Rückenmark, wodurch eine Schmerzweiterleitung an das Gehirn unterbunden wird, sowie Auswirkungen auf die Endorphinausschüttung und das endogene Opioid-System, was ebenfalls Schmerzlinderung bewirken kann.

Hierbei ist davon auszugehen, dass unterschiedliche Einstellungen der Frequenzen und Intensitäten unterschiedliche Mechanismen auslösen. Es ist nicht im Detail geklärt, welche Parameter welche Wirkung verursachen.

Äußere Umstände, wie Schmerzarten, Stresssituation der Patienten und weitere können unterschiedliches Ansprechen auf TENS-Therapie bedingen, so dass eine Wirksamkeit nicht mit Sicherheit in jedem Fall angenommen werden kann.

Über die Studienlage ist für einige Schmerzarten keine Evidenz der Wirksamkeit gegeben. Nichtsdestotrotz ist aufgrund von Erfahrungsberichten und einigen Studien eine Wirksamkeit auch nicht auszuschließen.

Hinweis: Die Informationen unter tens-ems-geraete.de stellen keine ärztliche Beratung dar. Sie ersetzen keinen Arztbesuch. Kontaktieren Sie bitte umgehend Ihren Arzt bei gesundheitlichen Fragen und Problemen.