Was ist TENS? - Elektrotherapie mittels Nervenstimulation

Als transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) wird die Anwendung von elektrischen Impulsen durch die Haut (transkutan) auf das Nervensystem zur Schmerzbehandlung bezeichnet.

Im medizinischen und privaten Bereich werden tragbare, häufig batteriebetriebene, handliche Geräte verwendet, welche mit je nach Anwendungszweck mit verschiedenen Funktionalitäten ausgestattet sind.

Dabei ist ein Gerät üblicherweise mittels zwei oder mehr Elektroden mit der Haut verbunden. Bei handelsüblichen TENS-Geräten lassen sich Impulsbreite, Frequenz und Intensität einstellen.

Die TENS-Methode ist eine nichtinvasive und gefahrlose Möglichkeit, um sowohl akute als auch chronische Schmerzen zu verringern.

Geschichte der TENS-Methode

Der erste bekannte Bericht über schmerzlindernde Wirkung durch elektrische Impulse erfolgte im Jahr 63 n.Chr. im alten Rom durch den Arzt Scribonius Largus. Er beschrieb ein Nachlassen von Schmerzen während er an der Küste auf einem elektrischen Fisch stand.

Einzelbild (Zeichnung) aus der Gebrauchsanweisung des Electreat-Gerätes. An den Rücken einer liegenden Frau werden zwei Elektroden gehalten, welche Blitze aussenden.

Einzelbild aus der Gebrauchsanweisung des Electreat-Gerätes.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wurden diverse elektrostatische Mittel zur Behandlung von Kopf- und anderen Schmerzen verwendet. Im 19. Jahrhundert wurde neben einigen anderen Geräten eines namens Electreat entwickelt, welches u.a. zur Schmerzbehandlung bis ins 20. Jahrhundert hinein eingesetzt wurde. Jedoch war dieses Gerät nicht tragbar und hatte kaum Kontrollmöglichkeiten für die Ausprägung der elektrischen Stimuli.

Das erste moderne, tragbare TENS-Gerät wurde 1974 in den USA patentiert. Usprünglich wurde es verwendet, um die Toleranz von Patienten mit chronischen Schmerzen gegenüber elektrischen Reizen zu testen, bevor ihnen Elektroden in das Rückenmark implantiert werden sollten. Jedoch erzeugte diese Behandlung allein bei vielen Patienten starke Schmerzlinderung, so dass auf die Implantate verzichtet werden konnte.

Heute gibt es eine Vielzahl von Geräten am Markt, wobei Preis und Qualität stark variieren. Auch beschränkt sich der Funktionsumfang häufig nicht nur auf TENS zur Schmerzbehandlung, sondern auch auf EMS zur Muskelstimulation sowie weitere Behandlungsmöglichkeiten, wie Elektromassage und Elektro-Akkupunktur.

Schmerzbehandlung mit TENS

Indikationen - Wann ist eine Behandlung mit TENS sinnvoll?

Eine Schmerzbehandlung mit TENS kann bei verschiedenen Arten von Schmerzen vorgenommen werden. Hierzu gehören vor allem Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates, Verspannungsschmerzen, bestimmte Neuralgien und postoperative Schmerzen. Die Behandlung wirkt - je nach Art der Anwendung - sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzen lindernd.

Indikationen sind zum Beispiel:

  • Muskelverspannungen

  • Gelenkschmerzen

  • Arthrosen und rheumatische Beschwerden

  • Kopfschmerzen und Migräne

  • Rücken- und Nackenschmerzen

  • Schmerzen im Wirbelsäulenbereich

  • Schmerzen im Knie

  • Menstruationsschmerzen

  • Akute Schmerzen nach Verletzungen und Operationen

Vorteile

Die Behandlung mit TENS ist als naturheilkundliches Verfahren anerkannt. Sie ist bei richtiger Anwendung ungefährlich und es treten keine oder nur geringfügige Nebenwirkungen, wie beispielsweise Hautirritationen bei zu hoher Intensität, auf.

Durch die Schmerzbehandlung mit einem TENS-Gerät kann als Folge häufig die Einnahme von schmerzstillenden Medikamenten reduziert werden. Dadurch können auch die damit einhergehenden Nebenwirkungen gemindert werden. Die TENS-Behandlung kann eine kostengünstige Alternative zur herkömmlichen Schmerzbehandlung sein.

TENS-Geräte sind portabel, handlich und leicht zu bedienen. Die Behandlung kann vom Patienten selbst einfach jederzeit zu Hause oder an anderen Orten, durchgeführt werden.

Wirkweise der Elektrotherapie

Bei der Anwendung von TENS werden Elektroden in der Nähe schmerzhafter Stellen auf der Haut platziert. Über diese Elektroden werden Stromreize auf die Hautoberfläche (transkutan) meist mit Frequenzen von 1 bis 100 Hz übertragen.

Ziel der Behandlung ist die Linderung von sowohl akuten als auch chronischen Schmerzen via Elektro-Analgesie.

Die Stimulationen der Nervenbahnen über die elektrischen Reize soll natürliche Mechanismen zur Schmerzreduktion aktivieren. Hierbei sind zwei Mechanismen relevant.

Zum Einen wird angenommen, dass bei hohen Frequenzen (> 50 Hz) nach der Kontrollschrankentheorie die Schmerzschwelle durch die direkte Einflussnahme auf die affarenten Nervenbahnen herauf gesetzt wird. Dadurch wird die Schmerzübertragung an das Gehirn verringert.

Zum Anderen soll die Elektrostimulation mit niedrigen Frequenzen (< 10 Hz) endogene Opiod-Rezeptoren aktivieren, was eine Schmerzlinderung bewirkt.

Weitere Informationen siehe Wirkung eines TENS-Gerätes.

Effektivität - welche Erfolge können mit TENS erzielt werden

Die Wirksamkeit von TENS wird kontrovers diskutiert. Einige Studien legen nahe, dass mit der TENS-Behandlung Erfolge bei verschiedenen Arten von Schmerzen erzielt werden können. Andere Studien lassen keine höhere Wirksamkeit gegenüber Placebo vermuten.

Weiterhin gibt es Studien, die mittels bildgebender Verfahren, wie fMRT nachweisen konnten, dass sich durch die Behandlung mit TENS Aktivitäten in mit Schmerzen in Verbindung stehenden Gehirnarealen veränderten.

Berichte von Schmerzpatienten sowie Ärzten und Therapeuten legen nahe, dass ein Ansprechen auf eine TENS-Behandlung individuell unterschiedlich ist und auch von weiteren Faktoren, wie der Art des Schmerzes abhängt.

Häufig müssen verschiedene Intensitäten, Frequenzen und Pulsbreiten in unterschiedlichen Kombinationen getestet werden, bis eine optimale Einstellung zu Erfolg führt.

In einigen Fällen konnte durch eine TENS-Therapie keinerlei Erfolg erzielt werden. In anderen Fällen führte die Anwendung von TENS zu einer Schmerzlinderung. Schmerzen konnten sowohl während der Behandlung als auch außerhalb langfristig und nachhaltig bei chronischen Schmerzen reduziert werden. Hierdurch konnte z.B. auch die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln verringert werden.

Anwendung der TENS-Therapie

Für die Anwendung von TENS kommen zumeist portable Geräte zum Einsatz. An diese Geräte werden über Kabel Elektroden angeschlossen, über welche der Kontakt mit der Haut hergestellt wird, um elektrische Impulse auf die Haut zu übertragen. Hierbei kann ein Gerät mehrere Kanäle haben, wobei pro Kanal ein Elektrodenpaar angeschlossen wird. Hauptsächlich im Handel erhältlich sind Geräte mit 2 oder 4 Kanälen (also für 4 oder 8 Elektroden).

Hierbei gibt es zwei Arten von Geräten: Zum Einen die Profigeräte, welche individuell eingestellt werden müssen. Zum Anderen Geräte für Laien, welche ausschließlich oder zusätzlich voreingestellte Programme für verschiedene Körperregionen und Schmerzarten haben.

Diese Geräte unterscheiden sich außerdem in den Einstellmöglichkeiten, wie zum Beispiel der maximalen Stromstärke sowie zum Teil in der Amplitudenform, wobei die Profigeräte sanfter abfallende Amplituden aufweisen, wodurch die Behandlung als angenehmer empfunden wird.

Viele handelsübliche Geräte bieten heutzutage neben Modi für TENS, also Schmerzbehandlung, auch weitere, wie z.B. für EMS (Elektrische Muskelstimulation), Elektro-Akkupunktur und Elektromassage.

Außerdem gibt es diverse weitere Modifikationen, z.B. Mini-TENS-Geräte, die Pad und Gerät in Einem sind und z.T. via App über das Smartphone betrieben werden können. Oder wie das Cefaly-Gerät (externer Link)* zur Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen, das nur aus einem Kopfteil besteht.

Auch für die klassischen Geräte gibt es verschiedene Elektroden und Sonden:

  • Pad-förmige Klebe-Elektroden, meist aus Gewebe, welche sich relativ schnell abnutzen

  • Dauerelektroden aus Gummi, welche mit Kontaktgel verwendet werden

  • Sonderelektroden in Form von Manschetten, beispielsweise für Rücken und Nacken

  • Überziehbare Elektroden in Form von Handschuhen oder Socken

  • Saug- und Klemmelektroden

Die Anwendung der TENS-Geräte kann sowohl durch Ärzte und Physiotherapeuten vorgenommen werden als auch vom Patienten allein zu Hause, im Büro oder unterwegs.

Wenn man einige Dinge beachtet (siehe Kontraindikationen und Nebenwirkungen), ist die TENS-Therapie damit eine kostengünstige, nichtinvasive Möglichkeit der Schmerzbehandlung. Fast jeder kann sie problemlos umsetzen, da die Anwendung einfach und vielfältig ist.

Hinweis: Die Informationen unter tens-ems-geraete.de stellen keine ärztliche Beratung dar. Sie ersetzen keinen Arztbesuch. Kontaktieren Sie bitte umgehend Ihren Arzt bei gesundheitlichen Fragen und Problemen.